Die Burgen in Alvensleben (Bebertal)

Burg Alvensleben 1937 - Zeichnung von Anco Wigboldus
"Prospect der Burgen zu Alvensleben um 1937" - Zeichnung von Anco Wigboldus

Burg Alvensleben ist ein ehemaliger Burgenkomplex in der früheren Gemeinde Bebertal, die 1950 aus dem Zusammenschluss der Gemeinden Alvensleben und Dönstedt entstanden war und jetzt Ortsteil der Gemeinde Hohe Börde ist. Die ehemalige Gemeinde Alvensleben war 1928 aus dem Dorf Alvensleben, Markt Alvensleben und dem Burgenkomplex gebildet worden.

Das Archidiakonat Alvensleben gehörte zu den ältesten Niederlassungen des Hochstifts Halberstadt. Zu seinem Schutz gründeten die Bischöfe auf einem Felsmassiv über dem Tal der Bever eine Burg, in deren Obhut im 10. Jahrhundert ein Marktflecken entstand (erste allerdings ungesicherte urkundliche Erwähnung 964). Nach ihr nannte sich die bischöfliche Ministerialfamilie von Alvensleben, die das Amt der Burgvögte im 12. und 13.  Jahrhundert innehatte. Neunzehn Gemeinden gehörten zu ihrem Verwaltungsbezirk.  

Der Name Alvensleben leitet sich ab aus einem nicht genau bekannten Personenamen einer Namensfamilie die mit der Silbe Alf-, Alv-, Alb-, Alp- u.ä. beginnt und zumeist mit den Alben oder Elfen in Verbindung gebracht wird, z.B. Alberich (= der durch Alben Mächtige), Alfert (= Albenprächtig), Albin, Alboin, Albwin (ahd: „alp“ = Elf, Naturgeist, „wini“ = Freund, also Elfenfreund)  sowie aus der Endung „leben“ (= Hinterlassenschaft, Erbe). Die Bedeutung des Ortsnamens ist somit als „Besitz oder Erbe von Alberich, Alfert oder Albwin zu verstehen. Er ist wahrscheinlich in die vorkarolingische Zeit zu datieren. Die alte Überlieferung, dass der Name auf Alvo zurückzuführen ist, gilt als unwahrscheinlich.

Im Mittelalter waren Markt und Dorf Alvensleben befestigt. Innerhalb des Mauerringes befanden sich sechs Turmhöfe der dienstpflichtigen Ritterschaft. In der Umgebung wurde Silberbergbau betrieben. Der Ort war überragt von zwei Burgen, der bischöflichen, deren Hauptturm in der Zeichnung von Anco Wigboldus (Stand 1937) sichtbar ist, und der markgräflich-brandenburgischen im Vordergrunde. Die Lage einer dritten Burg ist ungeklärt.

Bischofsburg und Amt Alvensleben

Die Bischofsburg war 1180 im Besitz der Bischöfe von Halberstadt (erste urkundliche Erwähnung), ist aber vermutlich sehr viel älter. Sie gelangte Anfang des 14. Jahrhunderts in den Besitz der Erzbischöfe von Magdeburg, die die Burg zumeist verpfändeten, zuletzt von 1534 bis 1598 an Gebhard XVII. v. Alvensleben und dessen Söhne Ludolf X. und Joachim I., die die bereits stark verfallenen Gebäude wiederherstellten. Danach wurde die Burg als Amt von landesherrlichen Amtleuten verwaltet. 1649 wurde der Wirtschaftsbetrieb, 1685 auch der Sitz des Amtmanns in den Markt Alvensleben verlegt. Die Burg verfiel bis auf dem Turm. 1837 erwarb der Landrat Otto August von Veltheim (1798-1848) in Zuge der Separation das Burgelände, gestaltete daraus einen Landschaftspark und erneuerte den Bergfried, der seitdem Landratsturm genannt wurde. 

Markgrafenburg, später Veltheimsburg

Die Markgrafenburg wurde vor 1245 von den Markgrafen von Brandenburg unmittelbar neben der Bischofsburg errichtet, war Teil der Befestigungsanlage und wurde auch als Hinterburg bezeichnet. Sie gelangte 1439 als erzbischöfliches Lehen an die Herren von Veltheim, die der Burg nach Erweiterung durch ein neues Herrenhaus im 18. Jahrhundert den Namen Veltheimsburg gaben. 1882 und 1910 wurde sie in romantisierender Form ausgebaut und ergänzt. Sie blieb bis zur sogenannten Bodenreform 1945 im Besitz der Familie von Veltheim. 

Ritterburg oder „Musikenburg“

Eine dritte, die Ritterburg oder „Musikenburg“, wurde Anfang des 13. Jahrhunderts von Gebhard I. von Alvensleben (urk. 1190-1216) gebaut, aber von dessen Sohn Johann II. (urk. 1232-1248) an den Bischof von Halberstadt verkauft. Sie soll sich auf dem Hügel an der rechten Seite des Bildes von Anco Wigboldus befunden haben. Allerdings konnte dies bisher durch archäologische Untersuchungen nicht bestätigt werden, so dass die Lage dieser Burg ungeklärt ist. Sie trug diesen Namen der Sage nach, weil „der Schall der Trompeten, Hörner und Cymbeln beim Klange der Becher und dem Wirbel der Tänze darinnen fast nie aufgehöret“. 

Heutiger Zustand

Leider fehlen Dokumente, die eine Rekonstruktion der bedeutenden Anlage ermöglichten. Bis auf den runden Bergfried und die im Bild von Anco Wigboldus sichtbaren Reste des romanischen Pallas der Markgrafenburg sind alle mittelalterlichen Gebäude abgebrochen. Vorhanden sind außerdem das Herrenhaus und ein Hofgebäude der Veltheimsburg. Der dazugehörige Park, unter dem sich ein Labyrinth unterirdischer Gänge hinziehen soll, bedeckt das Gelände der ehemaligen Bischofsburg und den rings abfallenden Burgbergfelsen. Seine Geschichte wurde von H. Blanke (2004) ausführlich beschrieben. Die Gebäude der Veltheimsburg dienten nach 1945 u.a. als Kinderheim. Nach der Wende 1990 erwarb der Braunschweiger Unternehmer Hans-Dieter Neddermeyer (+ 2012) den gesamten Burgkomplex und führt seitdem umfassende Renovierungen durch. Ein Teil der Gebäude wird als Standesamt, als Heimatstube und gastronomisch genutzt. Auf dem Burggelände werden Flohmärkte, Gartenfestivals und Schützenfeste veranstaltet. 

Literatur

  • Gebhard von Alvensleben : Topographia oder General-Beschreibung des Primats und Erzstifts Magdeburg. Magdeburg 1655.
  • Peter-Wilhelm Behrends: Neuhaldenslebensche Kreis-Chronik, Band 2, Neuhaldensleben 1826
  • Georg Schmidt: Das Geschlecht von Veltheim. Halle a.S. 1912
  • Udo von Alvensleben-Wittenmoor : Alvenslebensche Burgen und Landsitze. Dortmund 1960.
  • Marie-Luise Harksen: Die Kunstdenkmale des Kreises Neuhaldensleben. Leipzig 1961, S.120-124
  • Ulrich Hauer: Die Burgen im unteren Bebertal, eine Zwischenbilanz. Archäologie in Sachsen-Anhalt, 2, 2004, S. 99-106
  • Harald Blanke: Romanische Ruinen im Romantischen Landschaftsgarten, ein Sonderfall, dargestellt am Beispiel der Veltheimsburg in Bebertal. Jahresschrift der Museen des Ohrekreises – Haldensleben und Wolmirstedt, Band 11 (44) 2004, S. 27-46
  • Steffen Bage: Die sechs ehemaligen Turmhöfe in Alvensleben/Bebertal. Jahresschrift der Museen des Landkreises Börde. Band 51 (18). Haldensleben 2011, S. 39-53

 Weitere Spuren der Alvensleben in Bebertal (Alvensleben)

In der St. Jakobskirche in Alvensleben-Markt befinden sich ein Epitaph und ein Grabstein für Johann (Hans) v. Alvensleben (*13.11.1552 in Alvensleben, + 3.2.1553 in Alvensleben), Sohn von Joachim I. sowie ein weiterer Kindergrabstein für Ludolf v. A., (+ 14.11.1593), Sohn von Ludolf XIII. (1555-1610) und Enkel von Joachim I. Beide Grabsteine wurden 1927 vor dem Altar ausgegraben und an der Kirchenwand aufgestellt. Um 1980 wurden bei Renovierungsarbeiten zwei weitere Kindergrabsteine gefunden, und zwar für Johann (*1594, +1594) und Busse Klamer v. Alvensleben (*1596, +1596), beides Söhne von Ludolf XIII. v. Alvensleben.

Mehr siehe Grabdenkmäler in Bebertal-Alvensleben.

Seit 1478, wahrscheinlich aber schon vorher, besaßen die Alvensleben im Dorf Alvensleben einen Turmhof mit einer Kapelle, der heutigen Dorfkirche in Dorf Alvensleben. Er war ursprünglich ein bischöflich halberstädtisches Lehen mit sechs Hufen Land, Mühle und weiteren Zubehör. 1548 erneuerte Joachim I. die Kapelle, um sie für den evangelischen Gottesdienst herzurichten. Zumeist wurde der Turmhof als Afterlehen an verschiedene Lehnsträger, u.a. an die Knipping, Wißmann, Möllendorf und Teegel vergeben, die das Land mit anderen Höfen zu einem größeren Gut vereinten. Dieses Gut wurde 1818 meistbietend an eine Bietergemeinschaft verkauft, deren Mitglieder das Land unter sich aufteilten. Dabei wurde auch das Alvenslebensche Lehen abgelöst. Das Kirchenpatronat ging zunächst an die Schulenburg in Bodendorf, wurde aber 1867 von Udo v. Alvensleben-Erxleben übernommen. Sein Sohn Albrecht Graf Alvensleben-Schönborn stiftete dort 1911 ein Kirchenfenster, worauf noch eine Stifterinschrift hinweist.

Sage: Die Musikenburg