Haus Zichtau-Berge 

Die neue Seite des vor 1473 erworbenen Gutes wurde mit Jemmeritz 1811 in einzelnen Teilen verkauft. Das zweite Gut dieser Linie, Berge in der Altmark, ist 1488 von Gebhard XVI. erworben, nach Busses XIII. Tode 1654 an den Stammvater des neuen Hauses Zichtau, Busse XIV., gefallen. Seine Nachkommenschaft nannte sich darum „Haus Zichtau, neue Seite Berge“. 1813 wurde Berge verstei­gert. Zur Geschichte des Hauses vgl. W. III 141-142, 215-221, 290-291, 335-340. 

X 1. George Dietrich II., Sohn von George Diet­rich I. (W. III 292 ff) geb. 20. 1. 1727 in Berge, gest. 8. 12. 1810 in Berge, verh. 12. 6. 1766 mit der Tochter des Kaufmanns Hansen aus Leipzig, die sich später von ihm trennte und 1779 in Leipzig starb. Kinder dieser Ehe: X 2 und 3. Ferner wurden als seine Söhne legitimiert die 3 Söhne der Klara Wilhelmine Bodenburg: X 4-6.X 2-3 gehörten dem Uradel, X 4-6 dem Briefadel an. 

X 2. George Heinrich, Sohn von X 1, geb. 16. 3. 1765 in Berge, gest. 18. 10. 1772 daselbst. 

X 3. Karl Ludwig 2., Sohn von X 1, (W. III 374 f.), geb. 9. 11. 1767 in Berge, gefallen 31. 5. 1809 in Stral­sund, verh. 3. 4. 1792 mit Charlotte Auguste Hedwig Friederike v. Alvensleben aus dem alten Hause Zichtau (IX 3).  Kinder dieser Ehe: X 7-15.  Er schloß sich dem Zuge des Majors Schill an und starb den Heldentod in dem Kampfe in Stralsund (vgl. W. III 374). 

X 4. George Dietrich* 3., Sohn von X1 (W. III 375f.), geb. 16. 4. 1780 in Klötze, gest. 30. 5. 1825 in Peisterwitz bei Ohlau, verh. 27. 7. 1811 in Berlin mit Charlotte v. Alvensleben, Witwe von X 3.                Kinder dieser Ehe: X 16-18. 

X 5. Johann Wilhelm 2. Ludwig*, Sohn von X 1 (W. III 376ff.), geb. 5. 2. 1784 in Weferlingen, gest. 26. 8. 1863 in Düsseldorf, verh. 2. 12. 1817 in Gardelegen mit Wilhelmine Pohlmann (geb. 16. 1. 1790 in Gar­delegen, gest. 18. 5. 1852 in Düsseldorf).                Kinder dieser Ehe: X 19, 20, 21, 23. 

X 6. Busso* 16., Sohn von X 1, geb. 7. 6. 1792 in Zichtau, gest. 28. 10. 1879 in Coburg, verh. 22. 11. 1821 in Coburg mit Juliane Auguste Charlotte v. Bis­sing-Kornatowski (geb. 7.8.1804 in Coburg, gest. 14. 5. 1889 in Coburg, Tochter des Majors Alexander Christoph Bogislaw v. Bissing-Kornatowski und dessen Gemahlin Maria Berta geb. Gummi aus Kulmbach).                Kinder dieser Ehe: X 22, 24, 25, 27, 31.

1805 Fähnrich im Preußischen Infanterie-Regiment von Tzschammer, das 1806 aufgelöst wurde. Von dem Un­glück des Vaterlandes ergriffen, schloß er sich 1809 als Freiwilliger an das Unternehmen Schills an, wurde bei Stralsund gefangen und im September 1809 von dem französischen Kriegsgericht in Wesel zum Tode verur­teilt. Ein Unteroffizier verhalf dem achtzehnjährigen Al­vensleben zur Flucht. Er trat zunächst in Westpreußen in das 1. Ulanen-Regiment ein, schied aber schon Ende des­selben Jahres wieder aus und wandte sich nach Coburg, wo ihn der Herzog als Unterleutnant anstellte. Als cobur­gischer Offizier wurde er im russischen Feldzuge schwer verwundet und geriet in russische Gefangenschaft, aus der er erst 1813 wieder nach Coburg zurückkehrte. 1815 ging er als Hauptmann und Regimentsadjutant mit dem Regimente des Herzogs nach dem Elsaß. Sein vertrau­enswürdiger Charakter, sein lebhafter Geist und seine vornehme Erscheinung sicherten ihm das freundschaftli­che Interesses des Coburger Herzogs, der ihn auch in den Jahren 1818-20 aus dem Heeresdienste zum Studium an der Universität Jena beurlaubte und ihm damit die Ge­winnung einer gründlichen Bildung ermöglichte. Der Aufenthalt in Jena brachte ihn auch mit den Weimarer Hofkreisen, u. a. mit Goethe, in Berührung. Besonders schloß er sich an Christian Friedrich Stockmar und an den jungen Dichter Rückert an. Als er 1821 Flügeladju­tant und Major wurde, eröffneten sich ihm in der Ver­trauensstellung beim Herzog noch weitere Gelegenheiten Länder und Menschen kennen zu lernen. 1830/31 war er nach Petersburg entsandt, um für den Prinzen um die Hand der Prinzessin Maria von Württemberg zu werben. Dort bot sich ihm die später nicht verwirklichte Möglich­keit, den damaligen Prinzen Leopold, Bruder des Her­zogs, als Adjutant zu begleiten, als er als Kandidat für den griechischen Thron auftrat. 1835 führten ihn Missio­nen nach Mecklenburg-Schwerin und Berlin, wo er die jungen Coburger Prinzen bei Hofe vorstellte, dann nach Brüssel, Baden und Nizza. Später führte er die Ver­hand­lungen, die zur Vermählung der Prinzessin Viktoria von Großbritannien mit dem Prinzen Albert von Coburg führten. So kam er 1836 und 1837 nach London. Er ge­noß das Vertrauen des Prinzen und der Königin in weite­stem Maße. So schenkte ihm die Königin ihr mit Edel­steinen gerahmtes Miniaturporträt und ließ sich von ei­nem nach Coburg entsandten Künstler Bussos Bild ma­len. Die letzte seiner zahlreichen Reisen führte ihn 1863 als Begleiter seines Herzogs zum Fürstenkongreß nach Frankfurt a. M. Die letzten Jahre seines reichen Lebens, in denen er sich trotz schwerer Schicksalsschläge seinen liebenswürdigen Humor bewahrte, lebte er im Kreise seiner Familie und seiner Freunde in Coburg. Neben zahlreichen Ordensauszeichnungen – er war auch Ehren­ritter des Johanniterordens – besaß er schließlich die Würden eines herzogl. Oberstallmeisters, Generals und Gereraladjutanten.Gustav Freytag wollte die Geschichte seines Lebens schreiben, aber Bescheidenheit und Diskretion verhin­derten Busso daran, ihm das nötige Nachrichtenmaterial dafür zur Verfügung zu stellen; er hat selbst nie ein Ta­gebuch geführt, doch hatte Königin Viktoria von England zweifellos recht, wenn sie wörtlich schrieb: „Ein solches Leben sollte nicht spurlos vorübergehen, solche Denk­mäler der Vergangenheit sollten aufbewahrt werden!“ 

X 7. George Friedrich Karl Hermann 1., Sohn von X 3, geb. 18. 1. 1794 in Zichtau, gest. 30. 7. 1861 in Alt­haldensle­ben; war Leutnant außer Dienst. Zuletzt im Schles. Na­tional-Kavallerie-Regiment; später in Königl. Niederlän­dischen Diensten in Ostindien. 

X 8. Karl Ludwig Robert, Sohn von X 3, geb. 13. 4. 1795 in Zichtau, gest. 23. 6. 1853 in Przibor, Kreis Steinau in Schlesien, verh. 10. 12. 1829 mit Wilhel­mine Charlotte Henriette Ferdinande Auguste v. Buttler (geb. 1. 2. 1805 in Glatz, gest. in Reußendorf 1872). Die Ehe war kinderlos. Er starb als Oberstleutnant a. D., zuletzt im Kaiser-Alex­ander-Garde-Grenadier-Regiment. 

X 9. Luise Auguste Karoline Wilhelmine Rosalie, Toch­ter von X 3, geb. 19. 2. 1796, gest. 29. 11. 1797 in Zichtau. 

X 10. Johanne Wilhelmine Ulrike Adelheid, Tochter von X 3, geb. 12. 4. 1797 in Zichtau, verh. 1829 mit dem Ju­stizrat Landeck, gest. 6. 6. 1884 in Liegnitz. 

X 11. Friederike Charlotte Ludowika Marianne Rosa­lie, Tochter von X 3, geb. 30. 7. 1798 in Zichtau, gest. 2. 3. 1827 in Klein-Tinz (Schles.), verh. 22. 10. 1818 in Pei­sterwitz bei Ohlau mit August Friedrich Ludwig v. Obermann (Preußischer Rittmeister a. D., Herr auf Klein-Tinz, gest. 27. 8. 1846 in Breslau). 

X 12. Friedericke Wilhelmine Pauline, Tochter von X 3, geb. 9. 4. 1801 in Zichtau, gest. 5. 8. 1867 in Liegnitz, verh. 13. 3. 1824 in Preisterwitz mit Karl v. Gröling (Gutsbesitzer auf Rudzinitz, Kreis Tost, Re­gierungsbe­zirk Oppeln, gest. 1870 in Liegnitz). 

X 13. Roderich, Sohn von X 3, geb. 27. 2. 1803 in Zichtau, gest. 7. 3. 1884 in Gardelegen, verh. 1835 mit Auguste Wilhelmine Christine Schulz (geb. 12. 4. 1811 in Berlin, gest. 6. 4. 1857 in Gardelegen).   Kinder dieser Ehe: X 26, 28, 29, 30. Er war preußischer Hauptmann a. D., zuletzt im Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier-Regiment, und Steuerin­spektor, Senior der schwarzen Linie. 

X 14. Karl Wiegand Moritz Alwin, Sohn von X 3, geb. 9. 11. 1804 in Zichtau, gest. 26. 8. 1871 in Bunzlau, verh. 9. 11. 1843 mit Maria Theresia Mechthilde Mar­tiny (geb. 26. 3. 1806 in Liebau in Schlesien, gest. 7. 12. 1873 in Bunzlau). Er war preußischer Premierleutnant a. D., zuletzt im In­fanterie-Regiment Nr. 22, und Obersteuerkontrolleur. 

X 15. Karl Wilhelm August Tuisko, Sohn von X 3, geb. 19.10. 1809 nach dem Tode des Vaters in Rathenow a.d.H. Er ging nach Valdivia in Chile, wo er 1855 verstorben sein soll. 

X 16. Friederike Alexandrine Charlotte Christiane Augu­ste Natalie, Tochter von X 4, geb. 13. 4. 1813 in Kalt­wasser, gest. 27. 7. 1901 in Liegnitz, verh. 11. 9. 1838 in Breslau mit Georg Friedrich v. Großmann, nachmali­gem Generalleutnant (gest. 26. 3. 1871 in Lieg­nitz). 

X 17. Franz Eduard Friedrich Georg Egmont*, Sohn von X 4, geb. 9. 11. 1815 in Zobten, gest. 26. 4. 1901 in Schweidnitz. Er diente zuletzt im Infanterie-Regiment Nr. 69 und lebte dann als Oberstleutnant a. D. in Schweidnitz. 

X 18. Valeska, Tochter von X 4, geb. 14. 8. 1817 in Zobten i. Schlesien, gest. 16. 7. 1850 in Schwientochlo­witz. 

X 19. Auguste Wilhelmine, Tochter von X 5, geb. 10. 12. 1818 in Trier, gest. 18. 7. 1900 in Zehdenick. Sie war Stiftsdame des Klosters Zehdenick. 

X 20. Emilie Karoline, Tochter von X 5, geb. 21. 7. 1820 in Saarlouis, gest. 16. 5. 1892 in Coburg. 

X 21. Caroline Amalie, Tochter von X 5, geb. 19. 11. 1821, gest. 22. 11. 1821 in Saarlouis. 

X 22. Marie Louise Elodia Anna, Tochter von X 6, geb. 8. 9. 1822 in Coburg, gest. im Juni 1888 in London, ver­mählt mit Alfons v. Rekowski, gesch. 

X 23. Berta, Tochter von X 5, geb. 18. 1. 1823 in Jü­lich, gest. 17. 4. 1887 in Coburg. 

X 24. Busso 17. Emil Wassily, Sohn von X 6, geb. 22. 11. 1831 in Coburg, gest. 16. 4. 1885 in Coburg, verh. 11. 7. 1872 mit Berta v. Gillhausen (geb. 3. 11. 1848 in Camen, gest. 20. 7. 1919 in Bielau (Schlesien), Tochter des preuß. Generalmajors z. D. v. Gillhausen und seiner Frau, geb. v. Schell).

Erziehungsanstalt in Meiningen. Ererbter väterlicher Neigung folgend, wurde er Forstmann, besuchte die Forstakademien in Aschaffenburg und Würzburg. Als er 1853 seiner militärischen Dienstpflicht in Coburg nach­kam, entschloß er sich, Offizier zu werden. Im Kriege 1866 wurde er bei Langensalza durch einen Granatsplit­ter im Rücken verwundet. Es trat eine Lähmung ein, die den Grund zu einem späteren Rückenmarksleiden legte. Im Kriege 1870/71 zog er sich im Loirefeldzug ein schweres rheumatisches Leiden zu, das ihn nach Frie­densschluß zum Ausscheiden aus dem Dienst veranlaßte. Er lebte dann in Coburg seinen jägerlichen und geselli­gen Nei­gungen. Sein schweres Leiden fesselte ihn die letzten 11 Jahre seines Lebens an sein Zimmer und das Krankenla­ger. 

X 25. Clara Berta, Tochter von X 6, geb. 21. 7. 1836 in Coburg, gest. 21. 10. 1930 in Coburg, verh. 25. 1. 1855 mit Gustav Wilhelm Freiherrn v. Meyern-Ho­henberg (geb. 10. 9. 1820 in Calvörde, gest. 9. 3. 1878 in Konstanz a. Bodensee, Herzogl. Sach­sen-Gothaischer Geheimer Kabinettsrat und Hoftheater-Intendant). 

X 26. Berta Charlotte Ida Marie, Tochter von X 13. Geb. 16. 9. 1836 in Stendal, gest. 15. 10. 1901 in Garde­legen. 

X 27. Emich Carl Maria Busso, Sohn von X 6 (nicht im Lehensverbande), geb. 15. 3. 1838 in Coburg, gest. 13. 9. 1859 in Gotha.1857 Leutnant im K. u. K. Kürassier-Regiment Herzog von Braunschweig Nr. 7, 1858 trat er in das Herzogl. Sachsen-Coburg-Gothaische Kontingent über und  erlag ein Jahr später einer Typhusepidemie. 

X 28. Karl Friedrich Franz Hugo, Sohn von X 13, geb. 25. 10. 1838 in Annaburg, gest. 20. 12. 1887 in Modgo Agong auf Java.Er diente in der niederländischen Kolonialarmee in Padang auf Sumatra und wurde später Plantageninspek­tor auf Java. 

X 29. Berta Charlotte Marie Ida, Tochter von X 13, geb. 12. 12. 1840 in Veckenstedt bei Wernigerode, gest. Juli 1890 in Stendal. 

X 30. Roderich Karl Eberhard Richard 2., Sohn von X 13, geb. 30. 1. 1844 in Hasserode bei Wernigerode, gest. 1872.Er diente im Jäger-Bataillon Nr. 4 in Sangerhausen. 

X 31. Maria Henriette Emilie Berta, Tochter von X 6, geb. 19. 1. 1849 in Coburg, gest. 29. 1. 1869 in Coburg.