Die Glocke von Brunau

Von der großen alten Bronzeglocke in der Kirche von Brunau erzählt man sich: sie wurde einst auf dem Brunauer Kirchhof für die Kirche in Kalbe gegossen. Der Guß gelang gut und man wollte sie an ihren Bestimmungsort schaffen, wozu sich die Bürger von Kalbe mit Pferd und Wagen einstellten; machte es schon Mühe sie aufzuladen, so erwies sich der Transport als unmöglich. Bei dem ungepflasterten Wege kam man nicht einmal ganz aus dem Dorfe heraus. An der Kamiethschen Ecke blieb der Wagen stecken und war nicht weiterzubringen. Die Kalbeschen sahen sich schließlich genötigt die Glocke in Stich zu lassen, worauf die Brunauer sie sich zurückholten und auf den Turm zogen. Lange wurde noch auf dem Kirchhof das Loch gezeigt, in welchem die Form eingemauert und der Guß vorgenommen war. Die Glocke zersprang später und musste 1733 umgegossen werden.  

Die Glocke zeigte das Alvenslebensche Wappen und sechs Abdrücke von Münzen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Sie hatte folgende Inschrift: Gott allein die Ehr. Jussu Patronorum ab Alvensleben Umgegossen von Johann Georg Ziegnern zu Salzwedel 1733 Judici Martino Scultzen Pastore Joachim Gottfried Rademachern Hans Reißnern Kirchenvorstehern Joachim Stappenbeck Joachim Bars Schultzen. Gott gib Fried in deinem Lande Glück und Heil zu allem Sande. Dum resono pulsata deus resonare benigno impulsu faciat corda palata pedes. Ich bin zwar lebenslos, doch ruf ich stellt euch ein zur Kirchen, die ihr wollt des Himmels Erben sein. Der lateinische Vers in dieser Inschrift lautet frei übersetzt: während ich angeschlagen werde und meinen Ton erschallen lasse, möge Gott gütig eure Herzen erklingen lassen und eure Füße bewegen. 

Quelle: Heinrich Sültmann: Der Kalbesche Werder. Kalbe a. d. Milde 1924, S. 161/162