Wappensage

Die erste Fahne soll führen
Graf Alvo aus Brunos Land,
auf dass alle Welt mag spüren
wie stark ihm Herz und Hand!

Hoch führt die erste Fahne
Graf Alvo beim Krönungsamt
Des edlen Geschlechtes Ahne,
das seinem Leben entstammt.

Und als der Sanktus ertönet
Im Lateranischen Dom
Und als Herr Karl war gekrönet
Zum Deutschen Kaiser von Rom,

Da nahm er drei weiße Rosen,
der reinen Ehre Bild,
und schmückt mit dem makellosen
des Grafen Alvo Schild.

Drauf taten sich auf die Pforten,
das Volk erfüllte den Dom.
Laut sprach mit ernsten Worten
Der große Kaiser von Rom:

Männliche Herzen für´s eiserne Hemde,
Zagenden Seelen die Schilde sind fremde.
Der Schild ziemt mit Rechten nur edlen Gesellen.
Er hasset und scheut, die zur Schande sich stellen,
Gott, dass man die Schilde nie finde
bei feigen Gesinde;

Er will, dass die Seinen
bei allen Gemeinen
voll Tugend erscheinen.

Dem Argen, dem Feigen, dem unfrommen Schelme
Ziemen nicht Schilde und taugen nicht Helme.
Der Schild ist nur da, um Ehre zu wecken,
nicht Schande zu decken.

Wer furchtsam erbleichet,
die Ehre entweichet,
die Schand´ ihn erreichet!

So hat den kühnen Helden
Der große Karl bedacht,
wie alte Sagen melden,
für manche Tat der Schlacht.

Noch heute blüh´n die Rosen
In Alvensleben´s Schild,
der Ehr, der makellosen,
uraltes Silberbild!

Quelle: George Hesekiel: Wappensagen. Berlin 1865, S. 1-2.